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Die VO₂max von Tadej Pogačar - Wie leistungsfähig ist der Tour-de-France-Champion wirklich?

Wenn man über außergewöhnliche Ausdauerleistungen spricht, fällt ein Name fast automatisch: Tadej Pogačar. Der slowenische Ausnahmefahrer hat mit seinen Erfolgen bei der Tour de France, bei Klassikern und bei Rundfahrten die Radsportwelt geprägt. Doch wie hoch ist seine VO2max wirklich - und was sagt sie über seine Leistungsfähigkeit aus?

Von Vincent Augustin 4 Minuten Lesedauer

VO₂max von Tadej Pogačar
Über den Autor Vincent Augustin

Vincent ist Mitgründer von MYVELO und erfahrener Radsportler. Durch seine aktive Zeit im leistungsorientierten Rennradsport - inklusive Starts in der Rennrad-Bundesliga - bringt er fundierte Praxiserfahrung in die Entwicklung und Bewertung von Fahrrädern und E-Bikes ein. Vincent legt besonderen Fokus auf Qualität, Sicherheit und Langlebigkeit von Komponenten sowie auf die Frage, was ein Fahrrad im echten Einsatz leisten muss. Seine Artikel verbinden persönliche Erfahrung, technisches Verständnis und den Anspruch, verlässliche Orientierung für Kaufentscheidungen zu bieten. Jetzt mehr zu MYVELO erfahren

Veröffentlicht: 1. Juli 2026  |  Aktualisiert: 21. Juli 2026

Wenn man über außergewöhnliche Ausdauerleistungen spricht, fällt ein Name fast automatisch: Tadej Pogačar. Der slowenische Ausnahmefahrer hat mit seinen Erfolgen bei der Tour de France, bei Klassikern und bei Rundfahrten die Radsportwelt geprägt. Doch wie hoch ist seine VO₂max wirklich – und was sagen Gewicht und Ruhepuls über seine Leistungsfähigkeit aus?


Was bedeutet VO₂max im Radsport?

Die VO₂max (maximale Sauerstoffaufnahme) gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff ein Athlet pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen kann.

Typische Werte:

Personengruppe VO₂max
Untrainierte Menschen 30–40 ml/kg/min
Gut trainierte Hobbysportler 45–60 ml/kg/min
Elite-Ausdauerathleten 70–85 ml/kg/min
Absolute Weltklasse >85 ml/kg/min

Im Profi-Radsport liegen viele Topfahrer im Bereich von 80 bis über 90 ml/kg/min.

Doch wichtig ist: Die VO₂max allein entscheidet nicht über den Sieg. Faktoren wie Effizienz, Laktatschwelle, Rennintelligenz und Erholungsfähigkeit spielen ebenfalls eine enorme Rolle.


Die geschätzte VO₂max von Tadej Pogačar

Offizielle Laborwerte von Tadej Pogačar werden von seinem Team selten veröffentlicht. In Interviews und sportwissenschaftlichen Einschätzungen wird seine VO₂max jedoch auf etwa 88–92 ml/kg/min geschätzt.

Damit liegt er:

  • deutlich über den meisten Profis
  • im Bereich historischer Ausnahmetalente

Zum Vergleich:

Fahrer Geschätzte VO₂max
Chris Froome ca. 88 ml/kg/min
Egan Bernal ca. 88 ml/kg/min
Miguel Indurain ca. 88 ml/kg/min
Tadej Pogačar ca. 88–92 ml/kg/min

Diese Werte zeigen: Pogačar bewegt sich physiologisch in einer absoluten Eliteklasse.


Wie viel wiegt Tadej Pogačar? Größe, Gewicht und Renngewicht

Neben der VO₂max ist das Körpergewicht eine der meistgesuchten Kennzahlen zu Tadej Pogačar – aus gutem Grund: Im Radsport, besonders am Berg, entscheidet die Watt-pro-Kilo-Leistung über Sieg oder Niederlage, und die hängt direkt vom Körpergewicht ab.

Laut Team- und Renndaten bringt Pogačar bei einer Körpergröße von rund 176 cm ein Wettkampfgewicht von etwa 66 kg auf die Waage. Damit liegt er im für Grand-Tour-Kletterer typischen, sehr schlanken Bereich – ähnlich wie viele historische Gesamtklassement-Fahrer vor ihm.

Sein Gewicht schwankt saisonal leicht: Vor großen Rundfahrten wie der Tour de France reduziert er das Körperfett gezielt, um in der entscheidenden dritten Rennwoche sein bestmögliches Leistungsgewicht zu erreichen. Genau diese Kombination aus vergleichsweise geringem Gewicht bei gleichzeitig extrem hoher absoluter Leistung erklärt, warum seine Watt-pro-Kilo-Werte am Berg zu den höchsten im gesamten Profi-Peloton zählen.


Der Ruhepuls von Tadej Pogačar: Was er über sein Herz-Kreislauf-System verrät

Ein niedriger Ruhepuls gilt als eines der zuverlässigsten Anzeichen für ein extrem leistungsfähiges Herz-Kreislauf-System – und ist deshalb neben VO₂max und Gewicht die dritte Kennzahl, die im Zusammenhang mit Tadej Pogačar häufig gesucht wird.

Ein untrainierter Erwachsener hat einen Ruhepuls von etwa 60–80 Schlägen pro Minute. Gut trainierte Ausdauersportler liegen häufig bei 50–60, ambitionierte Amateure teils darunter. Bei Weltklasse-Profis im Radsport wird ein Ruhepuls von 30 bis 40 Schlägen pro Minute immer wieder berichtet – ein Resultat des stark vergrößerten Schlagvolumens, das ein jahrelang trainiertes Herz erreicht.

Offizielle, vom Team veröffentlichte Werte gibt es auch hier nicht. In Interviews und Medienberichten wird Pogačars Ruhepuls jedoch immer wieder in einem Bereich von etwa 38 bis 42 Schlägen pro Minute verortet – ein Wert, der ihn klar im Bereich der besten Ausdauerathleten der Welt platziert, auch wenn er damit nicht zwingend der niedrigste im Peloton ist. Zum Vergleich: Bei einigen anderen Grand-Tour-Spezialisten wurden in der Vergangenheit sogar Werte von unter 30 Schlägen pro Minute kolportiert.


Warum Pogačar trotz ähnlicher VO₂max oft stärker ist

Interessanterweise haben viele Profis ähnliche VO₂max-Werte. Trotzdem dominiert Tadej Pogačar regelmäßig große Rennen.

Der Unterschied liegt in der Kombination mehrerer Faktoren.

1. Extrem hohe Leistungsgewichtswerte

Beim Klettern entscheidet vor allem das Watt pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei langen Anstiegen kann Pogačar über längere Zeit über 6,5 W/kg fahren – bei einem Renngewicht von rund 66 kg entspricht das einer Dauerleistung von deutlich über 400 Watt, ein Wert, der normalerweise nur in entscheidenden Rennmomenten erreicht wird.


2. Sehr hohe Laktatschwelle

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die sogenannte anaerobe Schwelle.

Viele Profis erreichen etwa 85–90 % ihrer VO₂max an der Schwelle.
Elitefahrer wie Pogačar können diesen Wert teilweise noch höher nutzen, ohne zu übersäuern.

Das bedeutet: Er kann extrem hohe Intensitäten über lange Zeit halten.


3. Überragende Effizienz

Im Radsport spielt auch die Bewegungsökonomie eine große Rolle.

Ein effizienter Fahrer benötigt weniger Sauerstoff für dieselbe Leistung.

Das führt dazu, dass zwei Athleten mit identischer VO₂max trotzdem unterschiedliche Leistungen zeigen können.


Wie misst man die VO₂max?

Die VO₂max wird meist in einem Sportlabor gemessen. Der Athlet fährt dabei auf einem Ergometer mit steigender Belastung.

Typischer Ablauf:

  1. Start mit moderater Leistung
  2. Alle 1–3 Minuten steigende Wattzahl
  3. Atemanalyse über eine Maske
  4. Test endet bei völliger Erschöpfung

Die Messgeräte analysieren dabei:

  • Sauerstoffaufnahme
  • Kohlendioxidabgabe
  • Atemvolumen
  • Herzfrequenz

Der höchste gemessene Wert ist die VO₂max.


Kann man seine VO₂max trainieren?

Die gute Nachricht: Ja – zumindest teilweise.

Genetische Faktoren bestimmen zwar etwa 50 % der VO₂max, doch Training kann sie deutlich verbessern.

Besonders effektiv sind:

1. VO₂max-Intervalle

Beispieltraining:

  • 4 × 4 Minuten sehr hart
  • 3 Minuten Pause

Dieses Protokoll wird häufig im Profi-Radsport genutzt.


2. Zone-2-Training

Langsame, lange Ausfahrten verbessern die aerobe Basis.

Interessanterweise nutzen viele Profis – auch Fahrer wie Tadej Pogačar – einen großen Anteil niedriger Intensitäten im Training.


3. Höhen-Training

Viele Profis trainieren regelmäßig in der Höhe, um die Sauerstofftransportkapazität des Blutes zu verbessern.

Beliebte Trainingsorte sind etwa:

  • Sierra Nevada
  • Teide

Fazit: Pogačars VO₂max ist nur ein Teil seines Erfolgs

Die geschätzte VO₂max von etwa 88–92 ml/kg/min zeigt, dass Tadej Pogačar physiologisch zur absoluten Weltelite gehört. Auch sein Renngewicht von rund 66 kg bei 176 cm Körpergröße und ein Ruhepuls im Bereich von 38–42 Schlägen pro Minute unterstreichen, wie außergewöhnlich sein Herz-Kreislauf-System und sein Leistungsgewicht sind.

Doch seine Dominanz im modernen Radsport erklärt sich durch eine Kombination mehrerer Faktoren:

  • außergewöhnliche VO₂max
  • sehr niedriges Renngewicht bei hoher absoluter Leistung
  • extrem niedriger Ruhepuls
  • sehr hohe Laktatschwelle
  • hervorragende Effizienz
  • aggressiver Rennstil
  • starke mentale Fähigkeiten

Diese Mischung macht ihn zu einem der komplettesten Fahrer der aktuellen Generation – und zu einem der spannendsten Athleten im modernen Profi-Radsport.

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