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Welche Arten von Schotter gibt es - und wie fahren sie sich?

Gravelbikes sind dafür gemacht, weiterzukommen, wenn der Asphalt endet. Doch Gravel ist nicht gleich Gravel: Unter dem Begriff “Schotter” verbergen sich ganz unterschiedliche Untergründe, die das Fahrgefühl, die Geschwindigkeit und die Stabilität stark beeinflussen. Wenn Du diese Unterschiede kennst, kannst Du Deine Reifen, Deinen Fahrstil und Deine Erwartungen perfekt darauf abstimmen.

Von Vincent Augustin  |  4 Minuten Lesedauer

Welche Arten von Schotter gibt es - und wie fahren sie sich?
Über den Autor Vincent Augustin

Vincent hat MYVELO gemeinsam mit Fabian gegründet. Die beiden verbindet eine langjährige Leidenschaft zum Radsport. Gemeinsam sind sie tausende von Kilometern gefahren und haben in der Rennrad-Bundesliga um Siege gekämpft. Aus der langjährigen Erfahrung und dem Wissen, was ein gutes Fahrrad ausmacht, ist die Idee entstanden, MYVELO zu gründen. Jetzt mehr zu MYVELO erfahren

Veröffentlicht: 14. Januar 2026

In diesem Artikel erfährst Du: Welche Schotterarten es gibt, wie sie sich fahren und worauf man achten sollte – sowohl in der Planung als auch während der Fahrt.


Feinschotter / Kieswege (auch "Hardpack Gravel")

Was ist das?

Feinschotter bzw. Hardpack sind Wege, die aus sehr kleinen, eng gesetzten Kies- und Sandpartikeln bestehen. Oft leicht gewalzt, häufig in Parks oder Forstgebieten zu finden.

Wie fährt es sich?

  • Schnell: Einer der schnellsten Gravel-Untergründe überhaupt.

  • Stabil: Reifen rollen sauber und gleichmäßig.

  • Vorhersehbar: Wenig Versatz und kaum lose Steine.

Worauf achten?

  • Reifenbreite ab 35–40 mm ideal.

  • Leichtes Profil reicht völlig aus.

  • Perfekt für längere Touren, wenn Asphalt-Feeling gewünscht ist.


Grobschotter / "Chunky Gravel"

Was ist das?

Grober, uneben verteilter Schotter mit Steinen ab ca. 2 cm Größe. Kommt oft auf frisch aufgeschütteten Forstwegen, Wirtschaftswegen oder Baustellen vor.

Wie fährt es sich?

  • Unruhig und holprig – der Lenker zappelt gern.

  • Langsamer Rollwiderstand: Kraft geht verloren, Geschwindigkeit sinkt.

  • Erhöhtes Risiko für Snakebites (Durchschläge).

Worauf achten?

  • Breite Reifen (40–45 mm oder mehr) bringen Sicherheit.

  • Tubeless dringend empfehlenswert.

  • Federnde Arme & Blick weit nach vorn: Gefahren früh erkennen.


Waschbrett (Corrugated Gravel)

Was ist das?

Wellenartige Rillen, die durch Autoverkehr entstehen. Eine der unangenehmsten Schotterformen – der Name kommt nicht ohne Grund.

Wie fährt es sich?

  • Hart & vibrierend: Extrem unkomfortabel.

  • Instabil: Das Bike “springt”, Kontakt zum Boden wird schlechter.

  • Unberechenbar: In schnellen Abfahrten heikel.

Worauf achten?

  • Luftdruck reduzieren (0,2–0,5 bar weniger).

  • Locker fahren: Zu starkes Verkrampfen verschlechtert die Kontrolle.

  • Bessere Linie suchen: Oft ist der Rand des Weges glatter.


Waldboden mit Schotteranteil

Was ist das?

Ein Mix aus Erde, Wurzeln, Laub und gelegentlichem Kies. Sehr variabel – kann hart, weich, trocken oder matschig sein.

Wie fährt es sich?

  • Wechselhaft: Grip kann sich sekündlich ändern.

  • Bei Trockenheit gut fahrbar, bei Nässe deutlich schwieriger.

  • Rutschgefahr durch Laub, Wurzeln oder feuchte Stellen.

Worauf achten?

  • Profilierte Reifen geben mehr Sicherheit.

  • Luftdruck eher niedrig, um Grip zu maximieren.

  • Gewichtsverlagerung üben: Vorder- und Hinterrad bewusst entlasten.


Feiner, tiefer Kies / “Sandgravel”

Was ist das?

Lose, tiefe Oberflächen aus feinem, trockenem Kies oder Sand. Vor allem in Küstennähe, Flussauen oder offenen landwirtschaftlichen Bereichen.

Wie fährt es sich?

  • Schwammig: Reifen sinken ein.

  • Schwer kontrollierbar: Lenker “schwimmt”.

  • Langsam: Hoher Kraftaufwand bei wenig Tempo.

Worauf achten?

  • Sitzposition nach hinten verlagern, um das Vorderrad zu entlasten.

  • Sanfte Lenkbewegungen: Jede Hektik führt zum Wegrutschen.

  • Breite Reifen (45 mm+) sind Gold wert.


Verdichteter Naturweg mit Splitt

Was ist das?

Wege, die aus einer festen Lehmbasis bestehen, auf die eine dünne Schicht Splitt gestreut wurde – oft in Gemeinden oder Parks.

Wie fährt es sich?

  • Sehr angenehm, solange trocken.

  • Bei Regen schmierig, weil die Lehmschicht rutschig wird.

  • Guter Grip, aber Vorsicht in Kurven.

Worauf achten?

  • Reifendruck moderat – nicht zu hart.

  • Tempo anpassen, wenn die Oberfläche glänzt (ein Hinweis auf feuchte Stellen).

  • Splittkanten meiden, die Reifen wegdrücken können.


Warum das Wissen über Schotterarten wichtig ist

Gravel bedeutet Freiheit – aber Freiheit funktioniert nur, wenn Du weißt, was unter Deinen Reifen passiert. Die Wahl des richtigen Reifens, der passende Luftdruck und Dein Fahrstil hängen direkt vom Untergrund ab.

Wer die Unterschiede kennt, fährt sicherer, schneller und mit mehr Spaß.


Tipps für die perfekte Gravel-Performance

✔️ 1. Reifenwahl nach Terrain

  • Schnell & fest: Semi-Slick Reifen

  • Vielseitig: Allround-Gravelprofil

  • Technisch & grob: Stollenprofil

✔️ 2. Luftdruck macht den größten Unterschied

Mehr Grip = weniger Druck
Mehr Speed = mehr Druck

Als grobe Orientierung:

  • 35 mm Reifen: 2,5–3,5 bar

  • 40–45 mm Reifen: 1,8–2,5 bar

  • 50 mm+: 1,5–2,0 bar

✔️ 3. Körperhaltung anpassen

  • Locker bleiben: Arme und Oberkörper als Federung nutzen.

  • Blick weit nach vorn: Gefahren früh erkennen.

  • Gewicht dosiert verlagern: Je nach Grip-Bedarf.

✔️ 4. Linie bestimmen wie beim MTB

Auch beim Gravel gilt: Die beste Linie ist nicht immer die Mitte des Wegs.

Die richtigen Reifen fürs Graveln – und was Du immer dabeihaben solltest

Die Reifenwahl entscheidet beim Graveln mehr über Komfort und Kontrolle als jede andere Komponente. Für Hardpack und feinen Schotter eignen sich schnelle Semi-Slicks oder Reifen mit leichtem Mittelprofil (35–40 mm). Sie rollen effizient und bieten trotzdem ausreichend Seitenhalt in Kurven. Sobald Du häufiger auf groben Schotter, Waldboden oder technischen Passagen unterwegs bist, bringen breitere Reifen ab 42–45 mm mit deutlicherem Stollenprofil mehr Grip und Sicherheit. Wer vorwiegend Abenteuerfahrten, Bikepacking oder unbekanntes Terrain plant, macht mit 50 mm+ nichts falsch – Komfort und Pannensicherheit steigen deutlich.

Damit Du auf Touren nie im Stich gelassen wirst, solltest Du immer eine kleine Grundausstattung dabeihaben: Multitool, zwei Reifenheber, eine Minipumpe oder CO₂-Kartusche, ein Ersatzschlauch, ein Tubeless-Plug-Set und ein Kettenschloss. Zusätzlich empfehlen sich ein kleiner Erste-Hilfe-Streifen, Kabelbinder und ein Stück Gewebeband – das rettet in erstaunlich vielen Situationen den Tag. Je abgeschiedener die Tour, desto wichtiger wird diese Basisausrüstung.


Gravel ist vielseitig – und genau das macht es so spannend

Der Einstieg ist einfach, wenn man mit der richtigen Erwartung losfährt. Starte am besten mit kurzen Touren auf Hardpack, gut gepflegten Feld- und Waldwegen – so bekommst Du ein Gefühl für die unterschiedlichen Untergründe, ohne Dich zu überfordern. Taste Dich langsam an schwierigere Passagen heran und experimentiere bewusst mit Luftdruck, Körperhaltung und Linienwahl, um zu spüren, wie das Bike reagiert. Viele finden ihren Einstieg über komoot- oder Strava-Routen, die sich nach technischem Anspruch filtern lassen. Noch schneller kommst Du rein, wenn Du einmal mit erfahrenen Fahrerinnen und Fahrern mitfährst – Technik, Sicherheit und Flow stellen sich dann viel schneller ein.

Schotter ist nicht gleich Schotter. Ob fein, grob, tief oder hart: Jeder Untergrund hat seine Eigenheiten. Wenn Du weißt, was Dich erwartet, kannst Du besser reagieren, sicherer fahren und Deine Gravelabenteuer noch mehr genießen.

Graveln beginnt dort, wo der Asphalt endet – und endet dort, wo Du nicht mehr weiter willst. Mit dem richtigen Wissen kommst Du weiter. Viel weiter. 🚵💨

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