Drücken vs. Legen: Die richtige Kurventechnik auf dem Fahrrad
Kurvenfahren ist eine der zentralen Fähigkeiten auf dem Fahrrad – und gleichzeitig eine der am meisten unterschätzten. Denn je nach Einsatzbereich unterscheidet sich die Technik grundlegend: Während man im Gelände das Rad aktiv unter sich „drückt“, neigt man sich auf dem Rennrad meist gemeinsam mit dem Bike in die Kurve.
Von Fabian Huber 3 Minuten Lesedauer
Doch wann ist welche Technik sinnvoll? Und was passiert dabei physikalisch im Hintergrund? Dieser Artikel bringt Klarheit.
Die Grundlage: Fliehkräfte und Balance
Egal ob auf dem E-MTB oder Rennrad – beim Kurvenfahren wirken zwei zentrale Kräfte:
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Zentrifugalkraft (Fliehkraft) → zieht nach außen
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Gewichtskraft → wirkt nach unten
Um stabil durch die Kurve zu kommen, muss man diese Kräfte in Balance bringen. Das geschieht über die richtige Körperhaltung und Neigung.
Technik 1: „Legen“ – Die klassische Kurventechnik auf Asphalt

Beim Rennradfahren oder schnellen E-Bike-Touren auf Asphalt nutzt man die sogenannte Legen-Technik.
So funktioniert’s:
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Körper und Fahrrad bilden eine Einheit
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Beide neigen sich gemeinsam in die Kurve
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Der Schwerpunkt bleibt möglichst stabil über dem Rad
Vorteile:
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Maximale Geschwindigkeit möglich
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Gleichmäßige Traktion auf beiden Reifen
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Effizient bei langen, schnellen Kurven
Typische Einsatzbereiche:
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Rennradfahren
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Schnelle Pendelstrecken mit dem E-Bike
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Asphaltierte Straßen
Wichtig:
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Außenpedal nach unten drücken
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Blick durch die Kurve richten
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Lenker locker halten – nicht verkrampfen
👉 Diese Technik ist ideal, wenn Grip und Geschwindigkeit im Vordergrund stehen.
Technik 2: „Drücken“ – Kontrolle im Gelände

Im Gelände, auf Trails oder bei technischen Passagen kommt die Drücken-Technik zum Einsatz.
Hier passiert das Gegenteil: 👉 Das Fahrrad wird unter dem Körper in die Kurve gedrückt, während der Oberkörper eher aufrecht bleibt.
So funktioniert’s:
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Der Körperschwerpunkt bleibt zentral oder leicht außen
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Das Bike wird aktiv in die Kurve geneigt
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Arme und Beine arbeiten dynamisch
Vorteile:
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Mehr Kontrolle auf losem Untergrund
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Bessere Balance bei niedrigen Geschwindigkeiten
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Schnelle Richtungswechsel möglich
Typische Einsatzbereiche:
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Mountainbike (Trail, Enduro)
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Trial und technische Passagen
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Schotter und lose Untergründe
Wichtig:
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Druck auf das kurvenäußere Pedal
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Bike aktiv unter sich bewegen
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Oberkörper stabil halten
👉 Diese Technik hilft, auch bei wenig Grip die Kontrolle zu behalten.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Legen (Rennrad) | Drücken (MTB) |
|---|---|---|
| Körperhaltung | Mit dem Bike geneigt | Oberkörper aufrechter |
| Bike-Bewegung | Kaum relativ zum Körper | Aktiv unter dem Körper |
| Geschwindigkeit | Hoch | Eher moderat |
| Untergrund | Asphalt, fest | Lose, technisch |
| Ziel | Effizienz & Speed | Kontrolle & Stabilität |
Wann sollte man welche Technik nutzen?
Die Wahl hängt stark von drei Faktoren ab:
1. Untergrund
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Asphalt → Legen
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Schotter / Trail → Drücken
2. Geschwindigkeit
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Schnell → Legen
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Langsam / technisch → Drücken
3. Kurvenradius
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Weite Kurven → Legen
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Enge Kurven → Drücken
Häufige Fehler – und wie man sie vermeidet
❌ Zu aufrechte Haltung auf Asphalt
→ Führt zu mangelndem Grip bei höheren Geschwindigkeiten
✔ Lösung: Aktiv mit dem Bike in die Kurve legen
❌ Zu starkes „Reinlegen“ im Gelände
→ Erhöht die Rutschgefahr
✔ Lösung: Bike drücken, Körper stabil halten
❌ Falsche Blickführung
→ Man fährt dahin, wo man hinschaut
✔ Lösung: Immer durch die Kurve schauen, nicht auf den Boden
Fazit: Es gibt nicht die eine richtige Technik
„Drücken“ und „Legen“ sind keine Gegensätze – sondern zwei Werkzeuge, die man je nach Situation einsetzt.
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Für Speed und Effizienz → Legen
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Für Kontrolle und Technik → Drücken
Wer beide Techniken beherrscht, fährt nicht nur sicherer, sondern auch deutlich souveräner – egal ob auf dem E-Bike, Rennrad oder Mountainbike.
MYVELO Tipp 🚴
Gerade mit einem E-Bike lohnt es sich, beide Techniken bewusst zu trainieren. Durch das höhere Gewicht und die zusätzliche Motorunterstützung verändert sich das Fahrverhalten – insbesondere in Kurven.
👉 Übe gezielt:
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Kurven auf leerem Parkplatz (Legen)
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Langsame Slalomfahrten oder Trails (Drücken)
So entwickelt man ein besseres Gefühl für das Bike – und holt das Maximum aus jeder Fahrt heraus.
