Verona Rennrad - Ltd. 33
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Wer an Rennradfahren denkt, verbindet es meist mit Hightech: Carbonrahmen, elektronische Schaltungen und ultraleichte Laufräder. Doch einmal im Jahr dreht sich in der malerischen Toskana alles um das Gegenteil – um Stahlrahmen, Wolltrikots, Lederriemen und Schotterstraßen. Willkommen bei der Eroica Toscana Vintage, dem wohl charmantesten Rad-Event der Welt.
Von Vincent Augustin 3 Minuten Lesedauer
Die Eroica („die Heldenhafte“) wurde 1997 von Giancarlo Brocci ins Leben gerufen. Sein Ziel: die Erinnerung an die Ursprünge des Radsports zu bewahren. Teilnahmeberechtigt sind nur Rennräder, die vor 1987 gebaut wurden – also Stahlrahmen mit Schaltung am Unterrohr, Pedale mit Riemen und klassischen Bremsen.
Dazu gehören auch die passenden Outfits: Wolltrikots, Lederhelme und Retro-Stil sind Pflicht. Alles, damit man sich fühlt wie die Profis der 50er, 60er oder 70er Jahre.

Die Eroica führt über die berühmten „Strade Bianche“ – weiße Schotterstraßen, die durch Weinberge, Olivenhaine und mittelalterliche Dörfer verlaufen. Start- und Zielort ist Gaiole in Chianti, ein pittoreskes Dorf, das während des Events zum Mekka für Vintage-Rennradfans wird.
Teilnehmer können aus verschiedenen Distanzen wählen – von gemütlichen 46 km bis hin zur epischen 209-km-Route, die echte Ausdauer und Heldenmut erfordert. Die langen Strecken starten in der Nacht, begleitet vom Sternenhimmel und dem ersten Vogelgesang – ein magischer Moment, den viele Fahrer nie vergessen.

Eine Besonderheit der Eroica sind die Verpflegungsstationen: Statt Energieriegel und isotonischer Drinks gibt es Chianti, Pecorino, Prosciutto und hausgemachte Kuchen. Das Event ist auch ein kulinarisches Erlebnis und zeigt die Lebensfreude der Toskana.
Die Wahl des Fahrrads ist fast genauso wichtig wie die Strecke selbst. Viele Teilnehmer bringen echte Schmuckstücke mit, die nicht nur fahrbar, sondern auch Sammlerträume sind:
Daccordi 50th Anniversary – ein Meisterwerk italienischer Handwerkskunst, das zum 50. Jubiläum der Marke entstand. Perfekt für alle, die Eleganz und Seltenheit verbinden wollen.
Bianchi Specialissima – vielleicht das bekannteste italienische Rennrad überhaupt. Mit seinem ikonischen Celeste-Farbton ist es auf der Eroica ein echter Hingucker.
Colnago Super – ein Klassiker der 70er Jahre, auf dem zahlreiche Profis große Siege feierten. Ein Modell, das Tradition und Rennsport verbindet.
De Rosa Professional – edel, selten und mit einem unverkennbaren Rahmenbau, der bis heute Kultstatus genießt.
Pinarello Montello – das Modell, mit dem Francesco Moser in den 80ern Siege einfuhr. Auch in Gaiole trifft man es regelmäßig an.
Cinelli Supercorsa – zeitloser Stahlklassiker, der seit den 1950er Jahren gebaut wird und für viele das ultimative Vintage-Rad darstellt.
Diese Räder sind mehr als nur Fortbewegungsmittel – sie sind rollende Legenden und machen die Faszination der Eroica erst richtig greifbar.

Die Eroica ist mehr als ein Radrennen – es ist ein Fest für die Seele. Hier geht es nicht um Bestzeiten, sondern um das Gefühl, Teil einer Tradition zu sein. Viele Fahrer beschreiben die Veranstaltung als eine Art Zeitreise: Man erlebt, wie hart, aber auch wie romantisch der Radsport früher war.
Zudem hat sich die Eroica von der Toskana aus weltweit verbreitet – inzwischen gibt es Ableger in Japan, Kalifornien oder Südafrika. Doch das Original in Chianti bleibt das Highlight für alle Liebhaber klassischer Rennräder.
Die Eroica Toscana Vintage ist ein einzigartiges Erlebnis für alle, die Radsport nicht nur als Sport, sondern als Kultur und Leidenschaft verstehen. Wer einmal dabei war, nimmt nicht nur Erinnerungen an traumhafte Landschaften und kulinarische Genüsse mit, sondern auch ein Stück Geschichte.
Und vielleicht ist es genau diese Mischung aus Nostalgie, Gemeinschaft und legendären Rädern wie dem Daccordi 50th oder dem Bianchi Specialissima, die die Eroica so unvergleichlich macht – und jedes Jahr Tausende Radfahrer aus aller Welt in die Hügel der Toskana lockt.