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Studie: E-Bikes ersetzen überraschend viele Autofahrten

Wie stark verändern E-Bikes das Mobilitätsverhalten wirklich? Die Studie „Further, steeper, greener: Implications from an electric bicycle mode choice model“ der Bergischen Universität Wuppertal gibt eine klare Antwort: E-Bikes ersetzen deutlich häufiger Autofahrten als klassische Fahrräder.1 Hier steht, was die Autoren untersucht haben, was die Zahlen bedeuten und wo ihre Grenzen liegen.

Von Fabian Huber 4 Minuten Lesedauer

Studie zeigt: E-Bikes ersetzen überraschend viele Autofahrten
Über den Autor Fabian Huber

Fabian ist Mitgründer von MYVELO und leidenschaftlicher Radsportler. Seine Erfahrung aus tausenden gefahrenen Kilometern und Wettkämpfen in der Rennrad-Bundesliga prägt bis heute seine Arbeit. Fabian beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Fahrtechnik, Trainingssteuerung, Materialkunde und Bike-Ergonomie. Sein Anspruch: Fahrräder und E-Bikes zu entwickeln, die im Alltag genauso überzeugen wie im sportlichen Einsatz. Die Inhalte von Fabian basieren auf eigener Praxiserfahrung, technischem Know-how und dem direkten Austausch mit Kunden von MYVELO. Jetzt mehr zu MYVELO erfahren


Das Wichtigste in Kürze

  • Grundlage sind fast 200.000 Wege aus der Erhebung „Mobilität in Deutschland“.
  • 63,2 % der E-Bike-Strecken wären nach den Modellrechnungen sonst mit dem Auto gefahren worden.
  • Distanz und Steigung schrecken beim E-Bike weniger ab als beim normalen Fahrrad.
  • Fehlende Radwege halten E-Bike-Fahrer weniger vom Fahren ab als Fahrer klassischer Räder.
  • Die Zahlen beschreiben Wege in Deutschland. Wie viel Auto Du persönlich ersetzt, hängt von Deiner Strecke ab.

Worum es in der Studie geht

Die Autoren Arning und Kaths wollten wissen, welche Verkehrsmittel E-Bikes ersetzen und welche Faktoren die Wahl eines E-Bikes beeinflussen. Die Studie erschien 2025 im International Journal of Sustainable Transportation.

Die Datenbasis ist die bundesweite Erhebung „Mobilität in Deutschland“. Ausgewertet wurden 194.524 einzelne Wege mit einem sogenannten Nested-Logit-Modell. Das Modell schätzt, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich jemand für ein bestimmtes Verkehrsmittel entscheidet. Verglichen wurden:

  • Auto
  • öffentlicher Nahverkehr
  • konventionelles Fahrrad
  • E-Bike
  • zu Fuß

Als Einflussfaktoren flossen unter anderem Streckenlänge, Steigung, Radinfrastruktur und das Alter der Nutzer ein.

Einordnung: Die Studie nutzt Befragungsdaten und ein statistisches Modell. Sie zeigt Zusammenhänge und Wahrscheinlichkeiten, keine einzelnen Umsteiger. Das ist bei allen Zahlen unten mitzudenken.


Das Kernergebnis: E-Bikes ersetzen vor allem Autofahrten

E-Bikes ersetzen Autos in der Stadt

Die zentralen Werte der Studie:

Kennzahl Ergebnis
Ausgewertete Wege 194.524
E-Bike-Fahrten, die sonst mit dem Auto stattgefunden hätten 43,1 %
E-Bike-Strecken, die sonst mit dem Auto gefahren worden wären 63,2 %

Der Unterschied zwischen beiden Werten hat einen Grund: Autofahrten sind im Schnitt länger als Wege, die sonst zu Fuß oder mit dem klassischen Rad zurückgelegt würden. Ersetzt ein E-Bike eine Autofahrt, fällt dadurch mehr Strecke ins Gewicht als bei einem kurzen Weg.

Frühere Untersuchungen kamen oft auf geringere Autoanteile. Klassische Fahrräder ersetzen häufig kurze Wege. E-Bikes übernehmen dagegen auch Pendelstrecken, die sonst typischerweise mit dem Auto gefahren werden.


Warum das E-Bike dem Auto ähnlicher ist als dem Fahrrad

Im Modell verhält sich das E-Bike bei der Verkehrsmittelwahl in einigen Punkten wie ein Auto. Zwei Faktoren erklären das.

Distanz

Beim klassischen Fahrrad sinkt die Nutzungswahrscheinlichkeit deutlich, sobald die Strecke länger wird. Beim E-Bike ist dieser Effekt schwächer. Mit Motorunterstützung werden Wege realistisch, die mit reiner Muskelkraft für viele zu weit wären. Wie weit Du mit einer Akkuladung kommst, erklärt der Artikel zur E-Bike-Reichweite.

Steigung

Hügel wirken auf beide Radtypen abschreckend, auf das E-Bike aber weniger. Das erklärt, warum E-Bikes gerade in hügeligen Regionen Radverkehr möglich machen, der sonst ausbleibt. Im Schwarzwald, wo MYVELO entwickelt wird, kennt man das aus dem Alltag.


Radwege: wichtig, aber weniger entscheidend

Die Entscheidung für ein klassisches Fahrrad hängt stark von der Radinfrastruktur ab. Beim E-Bike ist dieser Zusammenhang schwächer.

Das heißt nicht, dass Radwege überflüssig sind. Es heißt, dass E-Bikes auch dort genutzt werden, wo die Infrastruktur noch Lücken hat. Höheres Reisetempo und größere Reichweite gleichen Umwege und weniger komfortable Abschnitte teilweise aus. Für Kommunen bedeutet das: Gute Radwege bleiben sinnvoll, aber E-Bikes erschließen schon heute Potenziale, die ein Radwegenetz allein nicht hebt.


Was das für Klima und Verkehr bedeutet

Ersetzt ein E-Bike eine Autofahrt, sinken die Emissionen dieses Weges deutlich. Ein Mittelklasse-Benziner liegt bei rund 150 g CO₂ pro Kilometer, ein E-Bike je nach Strommix bei etwa 6 bis 15 g. Die Rechnung mit Herstellung und Akku steht im Artikel E-Bike vs. Auto: Die Umweltbilanz.

Weitere Effekte, wenn mehr Wege vom Auto aufs E-Bike wechseln:

  • weniger Stau und weniger Parkdruck
  • weniger Lärm und Abgase in der Stadt
  • mehr Alltagsbewegung, auch mit Motorunterstützung

Wer besonders profitiert

Aus den Ergebnissen lassen sich Gruppen ableiten, für die das E-Bike den größten Unterschied macht:

Gruppe Warum das E-Bike passt
Pendler mit mittleren Distanzen Strecken von einigen Kilometern bis in den zweistelligen Bereich werden alltagstauglich
Menschen in hügeligen Regionen Steigungen verlieren an Schrecken
Ältere Fahrer Die Unterstützung erlaubt Radfahren ohne dauerhaft hohe Belastung
Wenig-Trainierte und Wiedereinsteiger Niedrigere Hemmschwelle, schweißfrei ans Ziel

Wenn Du Dein Auto für den Arbeitsweg ersetzen willst, hilft der Ratgeber Das passende E-Bike fürs Pendeln. Über den Arbeitgeber geht es oft günstiger: E-Bike über JobRad leasen.


Grenzen der Studie

Seriös einordnen heißt auch, die Einschränkungen zu nennen:

  • Modell statt Messung: Die Substitution wird statistisch geschätzt, nicht bei einzelnen Personen nachverfolgt.
  • Querschnittsdaten: Die Erhebung zeigt eine Momentaufnahme. Ob jemand wegen des E-Bikes sein Auto abgeschafft hat, lässt sich daraus nicht ablesen.
  • Andere Studien, andere Werte: Eine Münsteraner Untersuchung mit Haushaltsdaten von 2016 bis 2022 findet, dass der Besitz eines E-Bikes die Nutzung von Auto und ÖPNV um jeweils rund 4 Prozentpunkte senkt und die des klassischen Fahrrads um rund 5,6 Prozentpunkte. Der Autoeffekt fällt dort kleiner aus. Beide Ansätze messen Unterschiedliches, sie widersprechen sich nicht zwingend.
  • Deutschland-Daten: Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen.

Die Richtung ist in allen Untersuchungen gleich: E-Bikes verlagern Wege weg vom Auto. Wie groß der Anteil ist, hängt von Methode und Datenbasis ab.


So setzt Du die Erkenntnisse im Alltag um

  1. Wege prüfen: Notiere eine Woche lang, welche Fahrten unter 15 km Du mit dem Auto machst. Das sind die Kandidaten.
  2. Erst eine Strecke ersetzen: Starte mit dem Arbeitsweg oder dem Einkauf. Ein fester Weg macht den Wechsel zur Routine.
  3. Reichweite einplanen: Für Pendelstrecken mit Hin- und Rückweg zählt die Akkukapazität. Mit Ladepause beim Arbeitgeber reicht oft ein kleinerer Akku.
  4. Wetter und Kleidung klären: Mit passender Ausrüstung bleibt der Arbeitsweg auch im Regen machbar. Tipps stehen im Artikel zur Pendel-Ausrüstung.
  5. Kosten gegenrechnen: Was das E-Bike gegenüber dem Auto spart, zeigt der Beitrag E-Bike statt Auto: So schnell amortisiert es sich.

Ein Probefahrt-Termin im Store in Oberkirch zeigt Dir, wie sich ein E-Bike auf Deiner eigenen Strecke anfühlt. Telefonisch berät Dich das Team unter +49 7802 47 45.


Fazit

Die Wuppertaler Studie bestätigt, was viele im Alltag erleben: Das E-Bike ist kein reines Freizeitgerät, sondern ein Verkehrsmittel, das Autofahrten ersetzt, auch auf längeren Strecken. Distanz, Steigung und lückenhafte Radwege schrecken weniger ab als beim klassischen Rad. Die genaue Zahl der ersetzten Autofahrten hängt von der Methode ab, die Tendenz ist eindeutig.

E-Bike bei Arthrose: Warum Radfahren die Gelenke schont

Quellen & Referenzen

Weitere Infos und Häufige Fragen zu Studie: E-Bikes ersetzen überraschend viele Autofahrten

Lass Dich von Fahrrad-Enthusiasten beraten

Nach der Wuppertaler Studie hätten 43,1 % der E-Bike-Fahrten ohne E-Bike mit dem Auto stattgefunden. Bezogen auf die gefahrenen Kilometer sind es 63,2 %.

Beides. Ein Teil der E-Bike-Wege ersetzt das normale Fahrrad. Ein großer Teil, besonders bei längeren Strecken, ersetzt das Auto.

Besonders Pendelstrecken im mittleren Bereich, also einige Kilometer bis in den zweistelligen Bereich. Mit Motorunterstützung sind sie auch bei Steigungen und ohne Sporttraining gut machbar.

Sie helfen, sind beim E-Bike aber laut Studie weniger entscheidend als beim klassischen Fahrrad. Höheres Tempo und größere Reichweite gleichen Lücken im Netz teilweise aus.

Die Studie nutzt fast 200.000 Wege einer bundesweiten Erhebung und ein statistisches Modell. Andere Untersuchungen kommen auf kleinere Autoeffekte, die Richtung bleibt aber gleich.

Ein Benziner verursacht rund 150 g CO₂ pro Kilometer, ein E-Bike je nach Strommix etwa 6 bis 15 g. Bei 10 km Arbeitsweg und 220 Arbeitstagen sind das jährlich rund 600 kg weniger CO₂ (Hin- und Rückweg, 4.400 km).

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