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Studie zeigt: E-Bikes ersetzen überraschend viele Autofahrten

E-Bikes gelten als einer der wichtigsten Trends der modernen Mobilität. Sie machen Radfahren leichter, erweitern den Aktionsradius und ermöglichen es vielen Menschen, das Auto häufiger stehen zu lassen. Doch wie stark verändern E-Bikes tatsächlich unser Mobilitätsverhalten?

Von Fabian Huber 3 Minuten Lesedauer

Studie zeigt: E-Bikes ersetzen überraschend viele Autofahrten
Über den Autor Fabian Huber

Fabian ist Mitgründer von MYVELO und leidenschaftlicher Radsportler. Seine Erfahrung aus tausenden gefahrenen Kilometern und Wettkämpfen in der Rennrad-Bundesliga prägt bis heute seine Arbeit. Fabian beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Fahrtechnik, Trainingssteuerung, Materialkunde und Bike-Ergonomie. Sein Anspruch: Fahrräder und E-Bikes zu entwickeln, die im Alltag genauso überzeugen wie im sportlichen Einsatz. Die Inhalte von Fabian basieren auf eigener Praxiserfahrung, technischem Know-how und dem direkten Austausch mit Kunden von MYVELO. Jetzt mehr zu MYVELO erfahren

Veröffentlicht: 5. April 2026

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie mit dem Titel Further, steeper, greener: Implications from an electric bicycle mode choice model untersucht genau diese Frage. Die Ergebnisse liefern spannende Einblicke: E-Bikes ersetzen deutlich häufiger Autofahrten als viele bisher angenommen haben – und könnten damit eine zentrale Rolle für nachhaltige Mobilität spielen.


Worum es in der Studie geht

Die Studie analysiert, welche Verkehrsmittel durch E-Bikes ersetzt werden und welche Faktoren Menschen dazu bringen, ein E-Bike statt anderer Verkehrsmittel zu nutzen. Grundlage ist ein umfangreicher Datensatz aus der deutschen Mobilitätsstudie „Mobilität in Deutschland“.

Insgesamt wurden 194.524 einzelne Wege analysiert und mit einem sogenannten Nested-Logit-Modell ausgewertet. Dabei werden verschiedene Verkehrsmittel miteinander verglichen, darunter:

  • Auto

  • öffentlicher Nahverkehr

  • konventionelles Fahrrad

  • E-Bike

  • weitere Verkehrsoptionen

Zusätzlich flossen Faktoren wie:

  • Streckenlänge

  • Steigung der Strecke

  • Infrastruktur für Fahrräder

  • Altersstruktur der Nutzer

in das Modell ein. Ziel war es herauszufinden, wann Menschen zum E-Bike greifen und welche Verkehrsmittel sie dadurch ersetzen. (ScienceDirect)


Überraschendes Ergebnis: E-Bikes ersetzen vor allem Autofahrten

E-Bikes ersetzen Autos in der Stadt

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie betrifft die Substitutionseffekte.

Die Analyse zeigt:

  • 43,1 % aller E-Bike-Fahrten hätten ohne E-Bike mit dem Auto stattgefunden.

  • 63,2 % der mit dem E-Bike zurückgelegten Kilometer wären Autofahrten gewesen. (Tandfonline)

Das bedeutet: E-Bikes ersetzen nicht nur klassische Fahrräder, sondern in vielen Fällen direkt den Pkw.

Dieser Effekt ist größer, als frühere Studien oft angenommen haben. Während klassische Fahrräder häufig nur kurze Wege ersetzen, übernehmen E-Bikes auch längere Pendelstrecken, die sonst typischerweise mit dem Auto gefahren werden.


E-Bikes sind näher am Auto als am Fahrrad

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie betrifft die Charakteristik von E-Bike-Fahrten.

Das Modell zeigt, dass E-Bikes bei der Wahl des Verkehrsmittels in einigen Aspekten dem Auto ähnlicher sind als dem klassischen Fahrrad. (ScienceDirect)

Das liegt vor allem an zwei Faktoren:

1. Distanzempfindlichkeit

Bei normalen Fahrrädern sinkt die Nutzungswahrscheinlichkeit stark, wenn die Strecke länger wird.

Beim E-Bike ist dieser Effekt deutlich schwächer.

Mit elektrischer Unterstützung werden auch Strecken von 10–20 km realistisch, die mit einem klassischen Fahrrad für viele Menschen zu lang wären.

2. Topografie (Steigungen)

Steigungen spielen bei beiden Fahrradtypen eine wichtige Rolle, wirken sich jedoch beim E-Bike deutlich weniger negativ aus.

Gerade in hügeligen Regionen können E-Bikes deshalb ein entscheidender Faktor für mehr Radverkehr sein.


Infrastruktur ist weniger entscheidend als gedacht

Ein weiteres Ergebnis könnte für Verkehrsplaner überraschend sein.

Die Studie zeigt:

  • Die Entscheidung für ein klassisches Fahrrad hängt stark von Radinfrastruktur ab.

  • Beim E-Bike ist dieser Effekt deutlich schwächer. (ScienceDirect)

Das bedeutet nicht, dass Infrastruktur unwichtig ist. Aber E-Bikes können auch dort attraktiv sein, wo Radwege noch nicht perfekt ausgebaut sind.

Ein Grund dafür ist die höhere Geschwindigkeit und Reichweite. Dadurch werden auch Strecken nutzbar, die vorher zu lang oder zu anstrengend waren.


Große Chancen für Klima und Verkehr

Die Ergebnisse der Studie haben erhebliche Bedeutung für die Verkehrswende.

Wenn E-Bikes tatsächlich einen großen Teil von Autofahrten ersetzen, ergeben sich mehrere Vorteile:

1. Weniger CO₂-Emissionen

Jede Autofahrt, die durch ein E-Bike ersetzt wird, reduziert direkt den CO₂-Ausstoß im Verkehr.

2. Weniger Verkehr in Städten

Weniger Autos bedeuten:

  • weniger Stau

  • weniger Lärm

  • mehr Platz in Städten

3. Mehr Bewegung im Alltag

Auch mit Motorunterstützung bleibt E-Biken eine körperliche Aktivität. Damit verbindet es Mobilität mit gesundheitlichen Vorteilen.


Wer besonders von E-Bikes profitiert

Die Studie zeigt auch, dass bestimmte Gruppen besonders stark vom E-Bike profitieren.

Dazu gehören unter anderem:

  • Pendler mit mittleren Distanzen (5–20 km)

  • Menschen in hügeligen Regionen

  • ältere Fahrerinnen und Fahrer

  • Personen, die körperlich nicht dauerhaft mit hoher Belastung Rad fahren möchten

Für diese Gruppen kann das E-Bike ein entscheidender Schritt sein, um vom Auto auf aktive Mobilität umzusteigen.


Fazit der Studie

Die Forschung zeigt klar: E-Bikes sind mehr als nur Fahrräder mit Motor.

Sie verändern die Struktur der Mobilität. Während klassische Fahrräder oft nur kurze Wege ersetzen, können E-Bikes auch längere Autofahrten substituieren.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Rund 43 % der E-Bike-Fahrten ersetzen Autofahrten.

  • Über 63 % der E-Bike-Kilometer wären sonst mit dem Auto gefahren worden.

  • E-Bikes erweitern den realistischen Aktionsradius für Radverkehr deutlich.

  • Damit haben sie großes Potenzial für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität.

Angesichts steigender Benzinpreise, zunehmender Verkehrsprobleme in Städten und wachsendem Umweltbewusstsein dürfte die Bedeutung von E-Bikes in den kommenden Jahren weiter stark wachsen.

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Quellen & Referenzen

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