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Bikepacking

Bikepacking bezeichnet eine Form des Radreisens, bei der das Gepäck direkt am Rahmen, Lenker und Sattel befestigt wird – ohne klassische Gepäckträger und Packtaschen. Der Begriff ist eine Verbindung aus Bike und Backpacking: leichtes, geländetaugliches Reisen auf dem Fahrrad, mit minimalem Gepäck und oft auf unbefestigten oder abgelegenen Routen.

Im Unterschied zum traditionellen Radtourismus mit Gepäckträger und schweren Packtaschen setzt Bikepacking auf kompakte Spezial-Taschen, die direkt am Rad befestigt werden. Das senkt den Schwerpunkt, verbessert die Fahreigenschaften auf Schotter und Trails – und sieht schlicht besser aus.

Bikepacking vs. klassischer Radtourismus

Bikepacking Klassischer Radtourismus
Gepäckbefestigung Rahmen, Lenker, Sattel Gepäckträger, Lowrider
Gepäckmenge Minimal (5–15 kg) Mehr möglich (15–30 kg)
Geländetauglichkeit Hoch (Schotter, Trails) Eher befestigte Wege
Fahrradtypen MTB, Gravel, auch E-Bike Touring, Trekking, E-Bike
Komfort unterwegs Eingeschränkt Komfortabler
Typische Übernachtung Zelt / Bivak / Hütte Campingplatz / Hotel

Die wichtigsten Bikepacking-Taschen

Rahmentasche (Frame Bag)

Wird im Hauptdreieck des Rahmens befestigt und ist die volumenstärkste Tasche im System – je nach Rahmengröße 4 bis 12 Liter. Ideal für schwere Gegenstände (Werkzeug, Energieriegel, Kamera), da das Gewicht zentral und tief sitzt.

Lenkertasche (Handlebar Bag / Roll)

Am Lenker befestigt, oft als zylindrische Rolle für Schlafsack oder Isomatte. Volumen 5–15 Liter. Wichtig: Nicht zu schwer beladen, da die Lenkerstabilität leidet.

Satteltasche (Seat Bag / Saddlebag)

Unter dem Sattel befestigt – die zweitgrößte Tasche nach der Rahmentasche. Volumen 5–16 Liter. Für Kleidung, Zelt oder leichte Ausrüstung geeignet.

Oberrohrtasche (Top Tube Bag)

Kleine Tasche auf dem Oberrohr, zugänglich während der Fahrt. Ideal für Snacks, Handy, Karte, Sonnencreme. Volumen 0,5–2 Liter.

Gabeltaschen (Fork Bags / Anything Cages)

An den Gabelholmen befestigte Röllchen oder Taschen. Ideal für Zeltgestänge, Trinkflaschen oder Campingequipment.

Welches Fahrrad eignet sich zum Bikepacking?

Grundsätzlich jedes Fahrrad mit ausreichend Befestigungspunkten für Taschen. Am weitesten verbreitet sind:

  • Gravel Bikes: Leicht, schnell auf Schotter, viele Ösen für Taschen
  • Hardtail-MTBs: Geländegängig, robust
  • Trekkingräder: Gemächlicher, aber komfortabler für lange Etappen

E-Bikes beim Bikepacking

E-Bikes gewinnen im Bikepacking an Popularität – besonders für Touren mit größeren Höhenunterschieden, längeren Tagesetappen oder für Fahrerinnen und Fahrer, die die Natur genießen wollen, ohne ans Leistungslimit zu gehen.

Die E-Klappräder von MYVELO sind dabei ein interessanter Sonderfall: Zwar nicht typisch für klassisches Bikepacking, aber ideal für intermodales Reisen – das Klapprad wird im Zug mitgenommen, am Zielort entfaltet und für mehrtägige Touren genutzt, ohne ein Auto zu brauchen.

Das größte E-Bike-Bikepacking-Hindernis ist das Akku-Management: Die Reichweite limitiert die Tagesetappen stärker als bei einem normalen Rad. Lademöglichkeiten auf der Route müssen eingeplant werden – Campingplätze mit Stromanschluss (wie auf unserer Top-10-Liste) oder Hotels mit E-Bike-Lademöglichkeit.

Routenplanung für Bikepacking

Apps und Plattformen

  • Komoot: Beliebteste Plattform für Bikepacking-Routen in Deutschland; Routenvorschläge nach Untergrund und Schwierigkeit; Community-Highlights zeigen interessante Abschnitte
  • Bikepacking.com: Internationale Routendatenbank mit Erfahrungsberichten; besonders für bekannte Routen wie die Silk Road Mountain Race Route oder den Transalp
  • Trailforks: Für MTB-lastige Bikepackingtouren mit detaillierten Trail-Informationen

Bekannte Bikepacking-Routen in Deutschland und Europa

  • Transalp: Klassiker über die Alpen von München nach Verona oder Riva del Garda; 400–600 km je nach Variante; kombination aus Straße, Schotter und Trails
  • Gravel Sepp (Bayern): 580 km durch das Bayerische Voralpenland; gut ausgeschildert, viele Einkehrmöglichkeiten
  • Dirtbaggerz Nordsee (Schleswig-Holstein): Küstennahe Schottertour entlang der Nordsee; flach, windexponiert, malerisch
  • Via Claudia Augusta: Historische Römerstraße von Donauwörth bis Venedig; 700 km; Mix aus Radweg und Schotter

Ausrüstung: Was muss mit, was kann weg?

Das Prinzip beim Bikepacking lautet: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Eine Faustformel für eine Sommertour: Gesamtgewicht des Gepäcks (ohne Fahrrad) unter 10 kg.

Unverzichtbar:
- Zelt oder Biwaksack (Ultralightoptionen ab 700 g)
- Schlafsack passend zur Jahreszeit
- Isomatte (aufblasbar: leicht und klein)
- Regenkleidung (Jacke + Überschuhe)
- Flickzeug, Reifenheber, Multitool, Ersatzschlauch
- Powerbank oder Ladekabel für Navigation und Licht

Weglassen:
- Kochequipment (außer bei sehr abgelegenen Routen)
- Mehrere Ersatzkleidungsstücke (Merino trocknet schnell und riecht lange nicht)
- Schwere Schlösser (auf abgelegenen Routen kaum relevant)

Bikepacking und Wildcampen

Viele Bikepackingrouten verlassen bewohnte Gegenden – und damit die Nähe zu Campingplätzen. Die Frage nach dem Wildcampen stellt sich fast auf jeder mehrtägigen Tour. Die Regeln variieren stark nach Land:

  • Deutschland: Wildcampen grundsätzlich verboten, Ausnahmen in einzelnen Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern auf bestimmten Flächen)
  • Schweden, Norwegen, Finnland: Jedermannsrecht (Allemansrätten) erlaubt Übernachten in der Natur, sofern kein Schaden entsteht – Paradies für Bikepacking
  • Österreich, Schweiz: Ähnlich restriktiv wie Deutschland; in Alpinregionen tolerierter, aber nicht legal

Mehr dazu im Artikel Wo ist Wildcampen erlaubt?

Fazit

Bikepacking ist die modernste Form des Radreisens: minimalistisch, geländetauglich, flexibel. Es erfordert keine teuren Spezialräder – das richtige Taschen-Setup und eine gute Routenplanung machen fast jedes Fahrrad bikepackingtauglich. Für E-Bike-Fahrer bietet es die Möglichkeit, auch technisch anspruchsvolles Terrain zu erkunden, ohne auf motorlose Begleiter warten zu müssen – sofern die Ladestrategie stimmt.

Walk-Modus

Veröffentlicht: 7. Oktober 2026

Quellen & Referenzen